Dermatology News Volume 13 - Issue 8, May 2018

Ixekizumab: Starke Wirkung bei besonderen Lokalisationen Back

Starke Wirksamkeit auf Haut, Nägel und Gelenke: Ixekizumab überzeugt in Studien und Praxis

Aktuelle Daten, die auf der 76. AAD-Jahrestagung in San Diego vorgestellt wurden, untermauern die starke Wirksamkeit des Interleukin(IL)-17A-Inhibitors Ixekizumab (Taltz®) bei Nagel-Psoriasis – eine der häufigsten Begleiterscheinungen der Plaque-Psoriasis (Pso) und aktiven Psoriasis-Arthritis (PsA). Eine Subgruppenauswertung belegte, dass etwa die Hälfte der PsA-Patienten nach einem Jahr unter Ixekizumab eine vollständige Erscheinungsfreiheit der Nägeli erreichte.1 Die starke Wirksamkeit auf die Nägel zeigte Ixekizumab auch bereits bei mittelschwerer bis schwerer Pso – im Vergleich zu Ustekinumab2 sowie Etanercept3. Seit April 2016 ist der IL-17A-Inhibitor in Europa zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoii zugelassen, seit Januar dieses Jahres auch bei aktiver PsA.iii

Die PsA ist eine immunvermittelte chronische Entzündungskrankheit des Bewegungsapparates, die sich durch eine große Heterogenität im klinischen Bild und Verlauf auszeichnet.4 Dadurch wird sie teilweise erst relativ spät diagnostiziert.5 Neben Symptomen an den Gelenken leiden die Patienten in der Regel auch unter psoriatischen Veränderungen der Haut oder Nägel. Bis zu 30 % der Patienten mit Pso entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine PsA.6 Dabei gilt die Nagel-Pso als ein Prädiktor für die Entwicklung der chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung. Nagelläsionen treten sowohl bei bis zu 80 % der Patienten mit einer PsA als auch bei Patienten mit einer Pso auf.7,8

Ixekizumab: stark wirksam bei PsA-Patienten mit Nagel-Psoriasis
Beteiligungen der Nägel sind häufig schwierig zu behandeln und für Betroffene besonders belastend, da sie sich nur schwer kaschieren lassen. Die Lebensqualität ist bei Pso-Patienten mit Nagelbefall daher häufig stärker eingeschränkt als bei Patienten ohne Nagelbeteiligung.9
Bei dieser besonderen Lokalisation zeigte Ixekizumab aktuellen, bei der AAD-Jahrestagung in San Diego präsentierten Daten zufolge eine starke Wirksamkeit bei Patienten mit aktiver PsA.1 Die Studie SPIRIT-P2 untersuchte bei PsA-Patienten und unzureichendem Ansprechen auf TNF-Inhibitoren neben der Wirksamkeit von Ixekizumabiii auf die Gelenke als sekundären Endpunkt auch die Wirksamkeit auf die Nagel-Pso.

Ergebnisse einer Subgruppenauswertung belegen, dass etwa die Hälfte der Patienten nach einem Jahr an den Nägeln erscheinungsfrei war.1,i Im Vergleich zum Ausgangswert bei Studienbeginn hatte sich der NAPSI durchschnittlich um 15 Punkte verbessert (mittlerer Ausgangswert: 20,5). Diese Daten bestätigen die überzeugende und schnelle Wirksamkeit des IL-17A-Inhibitors bei Nagelbeteiligung, die sich bereits im Studienprogramm bei mittelschwerer bis schwerer Psoii zeigte – sowohl im Vergleich zum IL-12/23-Inhibitor Ustekinumab2 als auch zum TNF-Inhibitor Etanercept3. In der Pso-Studie UNCOVER-3 konnte die starke Wirkung auch über einen Zeitraum von 60 Wochen aufrecht erhalten werden: Etwa 62 % der Patienten erreichten ein vollständiges Abheilen ihrer Nagelläsionen.3,i

Stark wirksam – auch langanhaltend bis zu drei Jahre
Die anhaltend starke Wirksamkeit zeigte Ixekizumab auch bei der Verbesserung von Hautsymptomen und Gelenkbeschwerden, gemessen anhand des PASI- sowie ACRiv-Ansprechens: In der Studie UNCOVER-3 bei mittelschwerer bis schwerer Pso erzielten nach drei Jahren 86,2 % der Patienten einen PASI 75, 69,5 % eine nahezu erscheinungsfreie Haut (PASI 90) und 46,8 % eine völlig erscheinungsfreie Haut (PASI 100) (Abb. 1).11 Aus der klinischen Studie SPIRIT-P1 bei aktiver PsA gibt es bisher Langzeitdaten über zwei Jahre: 70 % erreichten in diesem Zeitraum einen ACR20, 51 % einen ACR50 und 30 % einen ACR70.12

Wirksame Verbesserung von Gelenkbeschwerden – auch bei Anti-TNF-Versagen
In den klinischen Studien SPIRIT-P1 und -P2 bei aktiver PsA waren zudem hohe ACR-Ansprechraten über 24 Wochen zu beobachten – sowohl bei Biologika-naiven Patienten als auch bei Patienten mit vorheriger TNF-Inhibitor-Therapie.13,14 Die Studie SPIRIT-P1 verglich den humanisierten, hochspezifischen IgG4-Antikörper Ixekizumabv mit Placebo bei Patienten ohne Biologika-Vortherapie. In einem aktiven Kontrollarm erhielt eine der Patientengruppen Adalimumab.vi, 13 Die Wirkung setzte dabei schnell ein, eine signifikante Verbesserung im ACR20-Ansprechen im Vergleich zu Placebo war bereits in Woche 1 zu beobachten.10 Eine vergleichbar gute Wirksamkeit konnten auch Patienten erzielen, die bereits mit einem TNF-Inhibitor vorbehandelt waren. Diese Population wurde in einer eigenen Studie untersucht (SPIRIT-P2; Abb. 2).14

Ixekizumab kann bei Patienten eingesetzt werden, die unzureichend auf eine oder mehrere krankheitsmodifizierende Antirheumatika angesprochen oder diese nicht vertragen haben.10 Die Wirksamkeit konnte in Monotherapie und in Kombination mit Methotrexat belegt werden.10,15

Viele Patienten erreichten Remission bei Enthesitis und Daktylitis
Enthesitisvii und Daktylitisviii sind häufige Erscheinungsformen bei der PsA, bei denen Ixekizumab ebenfalls deutliche Verbesserungen zeigte13: Nach 24 Wochen erreichten 43 % der Patienten ein vollständiges Abklingen der Enthesitis (Placebo: 19 %, Adalimumabvi: 33 %) und 80 % der Patienten eine komplette Remission der Daktylitis (Placebo: 25 %, Adalimumab: 78 %; SPIRIT-P1).13 Zudem konnte die radiologische Progression struktureller Gelenkschäden unter Therapie mit dem IL-17A-Inhibitor stark vermindert werden: Bei 86 % der Behandelten wurde nach einem Jahr keine radiologische Progression festgestellt.10

Gut verträglich – über bis zu fünf Jahre
Ixekizumab war insgesamt gut verträglich. Das bereits aus den klinischen Studien bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis (UNCOVER-1, -2 und -3) bekannte gute Verträglichkeitsprofil zeigte sich auch in den SPIRIT-Studien bei PsA.10,13,16 Derzeit liegen für den Wirkstoff Ixekizumab Erfahrungen bei etwa 6.800 Patienten in 14 klinischen Studien vor – für die Pso auch über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren.17 Die häufigsten Nebenwirkungen in den PsA-Studien waren Reaktionen an der Injektionsstelle, die in der Regel mild bis moderat waren und meist nicht zu einem Absetzen der Behandlung führten.10

– – – i  NAPSI (Nail Psoriasis Severity Index) = 0 ii  Taltz® ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen. Dosierung: Initialdosis 2 x 80 mg, eine Injektion (80 mg) alle zwei Wochen in Woche 2-12, eine Injektion (80 mg) alle vier Wochen ab Woche 16110 iii  Taltz®, allein oder in Kombination mit Methotrexat, ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis, die unzureichend auf eine oder mehrere krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD) angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Dosierung: Ixekizumab 80 mg alle 4 Wochen nach einer Initialdosis von 160 mg (2x 80 mg); zugelassene Dosierung bei aktiver Psoriasis-Arthritis mit leichter oder ohne Plaque-Psoriasis10 iv  ACR = American College auf Rheumatology v  Initialdosis 2x 80 mg, danach eine Injektion (80 mg) alle vier Wochen vi  40 mg Adalimumab alle zwei Wochen; keine direkte Vergleichsstudie. Adalimumab war ein aktiver Kontrollarm; die Studie war nicht darauf ausgelegt, die Nicht-Unterlegenheit oder Überlegenheit von Ixekizumab gegenüber Adalimumab zu untersuchen. vii  Entzündung der Sehnenansätze (Enthesen) an den Knochen viii  Akute oder chronische Beteiligung des weichen Gewebes eines Fingers und Zehs, die sich meist auch durch Schwellungen, Rötungen und Schmerzen zeigt.

 

Behandlungserfolg mit Taltz® nach „Therapie-Odyssee“

Kasuistik Dr. Martina Schütz-Bergmayr, Linz

Wenn eine Psoriasis sich trotz Biologikatherapie massiv verschlechtert, kann eine Umstellung auf einen IL-17A-Inhibitor gute Behandlungserfolge erzielen. Wie im Falle eines 45-jährigen Universitätsangestellten, den Oberärztin Dr. Martina Schütz-Bergmayr im Kepler Universitätsklinikum Linz behandelt.

Patientengeschichte und bisherige Therapie
Zunächst wurde der Patient bei leichter Ausprägung der Psoriasis mit Lokaltherapeutika, Lichttherapie und Retinoiden (Acitretin) behandelt. Im weiteren Verlauf erfolgte bei Progredienz der Krankheitsschwere ein Therapieversuch mit Fumarsäureester, der aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Die anschließende Therapie mit Methotrexat brachte zwar eine Besserung des Hautbilds, musste jedoch aufgrund eines Leberwertanstiegs und einer Verschlechterung des Diabetes wieder beendet werden. Im August 2016 stellten wir auf Ustekinumab um, was allerdings nicht zu einer Besserung, sondern im Gegenteil zu einer Exazerbation der Psoriasis führte. Es ging dem Patienten so schlecht, dass er stationär in die Klinik aufgenommen wurde. Der PASI lag nun bei 23,7.

Depressive Phase durch Verschlechterung des Hautbildes
Durch die massive Exazerbation durchlebte der Patient eine depressive Phase. Vor allem die Ablehnung und Stigmatisierung durch sein Umfeld belasteten ihn emotional. Zuvor konnte er seine Plaques verstecken, doch als sich sein Hautbild am gesamten Körper verschlechterte, wurde er immer öfter auf die Hautveränderungen angesprochen. Zudem litt er unter quälendem Juckreiz, der zu Schlafproblemen führte. Da er während seiner Arbeit an der Universität viel schreibt, rissen seine Plaques an den Handrücken regelmäßig auf. Von der neuen Therapie erhoffte er sich eine Linderung des Juckreizes. Außerdem wünschte er sich weniger Plaques an den sichtbaren Körperstellen. Er wünschte sich wieder ein unbeschwertes Leben ohne Einschränkungen im Alltag.

Therapieverlauf nach Einstellung auf Taltz®
Gemeinsam entschieden wir uns für die Umstellung auf den IL-17A-Inhibitor Ixekizumab. Zwei Wochen nach der Initialdosis von 2 x 80 mg Ixekizumab zeigte sich eine deutliche Verbesserung des Hautbefunds, der PASI reduzierte sich auf 6. Auch der Juckreiz war spürbar zurückgegangen. Sechs Wochen später war seine Haut erscheinungsfrei. Im Juli 2017, nach acht Monaten Therapie mit Taltz®, ist der Patient weiterhin erscheinungsfrei mit einem PASI von 0. Der DLQI liegt bei 0. Während er vor Therapiebeginn unter Stigmatisierungen aufgrund sichtbarer Plaques litt und sich infolgedessen immer mehr zurückgezogen hatte, konnte er nun mit neuer Lebensfreude und -energie seinen Alltag wieder aktiv gestalten. Dies wirkte sich wiederum positiv auf sein Gewicht aus, wodurch sich auch der Langzeitblutzucker-Wert HbA1c besserte. In den ersten drei Monaten hatte er gerötete und leicht schmerzhafte Reaktionen an der Einstichstelle. Nun hat die Therapie keinerlei Nebenwirkungen mehr.

Patientenerwartungen mehr als erfüllt
Der Patient sagte mir, seine Erwartungen an die Therapie seien übertroffen worden. Er sei überglücklich darüber, dass seine Haut und der Juckreiz sich so schnell gebessert hätten. Er fühle sich wieder wohler in seiner Haut. Außerdem ist er jetzt viel aktiver, wodurch er zehn Kilogramm Gewicht verloren hat – das freut ihn ebenfalls sehr. Seinen Alltag kann er nun wieder uneingeschränkt meistern.

Fazit Dr. Martina Schütz-Bergmayr
Taltz® hat bei dem Patienten eine sehr rasche und gute Wirksamkeit gezeigt.
Es ist für mich als behandelnde Ärztin schön zu beobachten, dass seine Lebensqualität durch die Therapie erkennbar gestiegen ist. Ixekizumab stellt somit eine Bereicherung des Behandlungsspektrums bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis dar – als gut verträgliche Therapie10, die für den Patienten einfach durchführbar ist. 18

Literatur

1 Merola JF et al [Poster]. AAD, 16.-20. Februar 2018, San Diego; Poster 6041
2 Ghislain PD et al [Poster]. EADV, 13. – 17. September 2017, Genf; Poster 1868
3 van de Kerkhof P et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; 31: 477-482
4 Boehncke WH et al. Dtsch Ärzteblatt 2006; 103: 1455-1461
5 Lebwohl MG et al. JAAD 2014; 70(5): 871-881. E30
6 Ritchlin CT et al. N Engl J Med 2017; 376: 957-970
7 Langenbruch A et al. Br J Dermatol 2014; 171(5): 1123-1128
8 van de Kerkhof P et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; 31: 477-482
9 Sobolewski P et al. Reumatologia 2017; 55(3): 131-135
10 Taltz® Fachinformation. Stand Januar 2018
11 Leonardi C et al [Poster]. AAD, 16. – 20. Februar 2018, San Diego; Poster 6581
12 Helliwell PS et al [Poster]. ACR/ARHP, 03. – 08. November 2017, San Diego; Poster 624
13 Mease PJ et al. Ann Rheum Dis 2017; 76(1): 79-87
14 Nash P et al. Lancet 2017; 389(10086): 2317-2327
15 Coates LC et al. RMD Open 2017; 3(2): e000567
16 Gordon KB et al. N Engl J Med 2016; 375(4): 345-356
17 Gottlieb AB et al [Poster]. Psoriasis from Gene to Clinic 2017, London, England, 30. November – 2. Dezember 2017; Poster P014
18 Bagel J et al [Oral Presentation]: AAD, 4. – 8. März 2016; #3400

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