Dermatology News Volume 12 - Issue 4, April 2017

IL-17A-Inhibitor Ixekizumab Back

Neuer IL-17A-Inhibitor Ixekizumab bei Plaque-Psoriasis: Erfahrungen aus der Praxis

Das wichtigste Ziel für Menschen mit Plaque-Psoriasis ist die Heilung ihrer Haut1,2, denn im Alltag erleben viele von ihnen Stigmatisierungen und Vorurteile3, insbesondere, wenn sichtbare Körperstellen betroffen sind. Versorgungsdaten belegen, dass trotz Fortschritten in der Behandlung der Plaque- Psoriasis viele Patienten nach wie vor mit ihrer Therapie noch nicht zufrieden sind.4 Mit modernen, zielgerichteten Wirkansätzen, wie sie Ixekizumab als IL-17A-Inhibitor bietet, können im Vergleich zu einem TNF-α-Inhibitor mehr Patienten eine weitestgehend erscheinungsfreie Haut erreichen.5 Dies kann sie dabei unterstützen wieder ein normaleres Leben zu führen.6

Genährt werden die Hoffnungen der Patienten durch die Erfolge der Biologika-Therapien bei Plaque-Psoriasis. Inzwischen stehen mehrere zugelassene Optionen zur Verfügung, und die Biologika der neueren Generation greifen immer spezifischer in das Krankheitsgeschehen ein.7,8
Die folgenden beiden Kasuistiken zeigen die Ergebnisse der Therapie mit dem neuen IL-17A-Inhibitor Ixekizumab (Handelsname Taltz®). Der humanisierte monoklonale Antikörper ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen.9 Der IL-17A-Inhibitor Ixekizumab ist seit dem 01. Januar 2017 in der dunkelgelben Box (RE1) des Erstattungskodex (EKO) enthalten und damit erstattungsfähig.

 

Vollständige Erscheinungsfreiheit – auch an Kopfhaut und Nägeln

Kasuistik 1: OA PD Dr. Hans Skvara

Dieser mit Ixekizumab (Taltz®) behandelte Patient ist 42 Jahre alt und als kaufmännischer Angestellter tätig. Der Familienvater von zwei Kindern wird von OA Priv. Doz. Dr. Hans Skvara in der Abteilung für Dermatologie des Landeskrankenhauses Wiener Neustadt betreut. Vorherige UVB-Bestrahlungen im Jahr 2014 oder topische Steroide hatten bei dem seit 17 Jahren an chronischer Plaque-Psoriasis leidenden Patienten keine oder nur eine milde Wirkung gezeigt. Da er sich durch die sichtbaren Plaques stark in seiner Lebensqualität eingeschränkt sah, war der Patient auf der Suche nach einer wirksamen Therapie und erfuhr von Freunden, dass es Biologika- Therapien für die Behandlung dieser Erkrankung gibt. Bei der nächsten Konsultation informierte er sich direkt über diese Möglichkeit und war, so Skvara, sehr hoffnungsvoll. Gerade seine Manifestationen an Kopfhaut und Nägeln gelten als schwer behandelbar, da sich topische Therapien meist als schwierig und unzureichend erweisen. Eine systemische Therapie kann hier eine wirksame Option sein, das stimmte den Patienten optimistisch.

Baseline

Baseline

 

Die erste Biologika-Therapie zeigt Erfolg

Ende August 2016 wurde der kaufmännische Angestellte erstmalig auf eine Biologika-Therapie mit dem IL-17A-Inhibitor Ixekizumab eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt betrug der PASI 15,8. Der Patient ist Raucher und gilt mit 150 kg Körpergewicht bei einer Körpergröße von 1,80 m als adipös, was häufig eine Anpassung der Therapie, in Form z.B. einer höheren Dosis oder Intervallverkürzung, erfordert. Nach einer Initialdosis von 160 mg erhielt er zweiwöchentlich die Standarddosis von jeweils 80 mg. Beim ersten Kontrolltermin nach vier Wochen zeigte sich bereits eine deutliche Verbesserung des Hautbildes. Mit einer raschen 70-prozentigen Verbesserung lag sein PASI-Wert zu diesem Zeitpunkt bei 4,6, die Plaques waren bereits dünner und deutlich weniger sichtbar. Ende November 2016 war die Initialphase von zwöf Wochen beendet. Der Patient erhält nun alle vier Wochen eine Injektion mit 80 mg Ixekizumab. Für den Patienten ist es die erste Injektionstherapie. Laut Skvara kommt er mit dem Fertigpen „gut zurecht, ist mit der Applikationsform sehr zufrieden und auch die Injektionsfrequenz in den ersten zwölf Wochen stellte für ihn kein Problem dar. Es werde ja nach der Initialphase nun „nur noch einmal im Monat injiziert.“

Vollständig erscheinungsfrei nach 16 Wochen

Beim zweiten Kontrolltermin nach 16 Wochen zeigte der Familienvater eine vollständig erscheinungsfreie Haut, also ein PASI-Ansprechen von 100. Demnach waren auch seine Kopfhaut und seine Nägel durch die Anwendung des IL-17A-Inhibitors erscheinungsfrei. Der Patient meinte – so Skvara – „so einen Erfolg habe er noch nie gehabt. Er sei sehr zufrieden, da er ebenfalls keinen Juckreiz mehr verspüre.“ Vor allem sei ihm „sehr wichtig, dass er keine zusätzlichen Hautpflegeprodukte mehr benötigt.“ Obwohl der Familienvater stets sehr offen mit seiner Erkrankung umgegangen ist, „findet er es trotzdem schön, dass er nun beim Freibadbesuch ein T-Shirt und eine kurze Hose tragen kann.“ Die einzigen unerwünschten Nebenwirkungen, die bei dem kaufmännischen Angestellten während der Therapie mit Ixekizumab bisher auftraten, waren lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Dabei handelte es sich, laut Skvara, um „leichte Reaktionen an der Injektionsstelle, die jeweils etwa zwei bis drei Tage bestehen blieben.“ Diese erscheinen auch nach viermonatiger Therapie nach der Injektion, sind jedoch „viel milder geworden und stören den Patienten nicht.“

Woche 16

Woche 16

 

Fazit für die Praxis

„Zusammenfassend kann man sagen, dass Taltz® auch bei adipösen Patienten (in dem Fall bei einem Patienten mit 150 kg) ohne Gewichtsanpassung wirksam ist“, so Skvara. „Der Patient ist mit der Therapie, der Applikationsform und mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

Praxisberichte bestätigen die klinischen Ergebnisse

Die positiven Erfahrungen aus der Praxis untermauern die gute Wirksamkeit von Ixekizumab aus dem UNCOVER-Studienprogramm: So erzielten hier etwa 90 Prozent der Patienten in den ersten zwölf Wochen, der sogenannten Induktionsphase, eine PASI 75-Reduktion, etwa 70 Prozent eine nahezu erscheinungsfreie Haut (PASI 90-Reduktion) und rund 40 Prozent der Patienten eine völlig erscheinungsfreie Haut (PASI 100-Reduktion). Neben einer starken Wirksamkeit§ zeigte sich auch ein schneller Wirkeintritt des IL-17A-Inhibitors, denn bereits nach einer Woche konnten signifikante Verbesserungen nachgewiesen werden10 und nach zwei Wochen eine durchschnittliche Verbesserung der Plaque-Psoriasis um mehr als 50 Prozent.5 Etwa 50 Prozent aller mit Ixekizumab behandelten Patienten erreichten nach vier Wochen einen PASI 75.5

Langanhaltende Wirksamkeit – über 60 Wochen

Die hohen Ansprechraten zeigten sich auch langanhaltend in allen Phase-III-Studien, in die insgesamt mehr als 3.800 Patienten eingeschlossen waren.11 In den Zulassungsstudien erzielten bis zu sieben von zehn Patienten innerhalb von 12 Wochen eine PASI 90-Reduktion. Auch nach 60 Wochen, am Ende der Erhaltungsphase, lag die PASI 90-Response bei 70 Prozent. In den Studien UNCOVER-1 und -2 erreichten 58 Prozent der Patienten, die an Woche 12 einen sPGA von 0 oder 1 hatten, eine völlige Erscheinungsfreiheit in Woche 60.

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§ Im Vergleich zu Etanercept5,11

 

Patient kann endlich wieder selbstbewusst auftreten – einem unbeschwerten Freibadbesuch steht nun nichts mehr im Wege

Kasuistik 2: OA Dr. Leo Richter

Der erste mit Ixekizumab (Taltz®) behandelte Patient in Österreich ist ein 47-jähriger angestellter Computerfachmann, der von OA Dr. Leo Richter in der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien betreut wird. In den letzten drei Jahren wurde er mit einem Fumarsäureester behandelt, was jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führte: Der Psoriasis Area and Severity Index (PASI) betrug trotzdem noch 10,4, somit lag eine mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis vor. Der Mann wurde daraufhin von seiner niedergelassenen Dermatologin, welche ausdrücklich den Einsatz eines Biologikums vorschlug, in die Spezialabteilung der Wiener Klinik überwiesen. Bei der Erstkonsultation im September 2014 präsentierte sich der Mann, der bereits seit Jahrzehnten an Schuppenflechte litt, nach Angabe von Richter „schüchtern und wortkarg“, sein Selbstbewusstsein war durch die sichtbaren Hautläsionen merklich angegriffen. Er benötigte dringend eine Therapieeskalation.

Diverse Biologika ohne Therapieerfolg

Daher wurde ihm nach Ausschluss unerkannter, ruhender Infektionserkrankungen (wie Tuberkulose, Hepatitis B/C oder eine HIV-Infektion) zunächst ein TNF-α-Inhibitor verordnet. Dieser zeigte jedoch keinerlei Effekt auf die Symptomatik. Die Umstellung auf ein anderes Biologikum führte zu wechselnden Befunden: Der PASI-Wert sank kurzzeitig bis auf einen absoluten PASI von 4,5, stieg aber auch wieder auf 7,6 Punkte an. Vor allem die Beine waren von großflächigen Hautläsionen betroffen. Im Dezember 2015 schlug Richter dem Mann deshalb eine erneute Umstellung vor, diesmal auf einen IL-17A-Inhibitor. Der Patient wünschte dies jedoch nicht. Es erfolgte eine Dosissteigerung und eine Intervallverkürzung, welche jedoch auch nicht den gewünschten Erfolg brachten. Im Juli 2016 hatte sich der Zustand erneut verschlechtert und es wurde ein PASI-Wert von 8,7 festgestellt. Vor allem die unteren Extremitäten des Patienten waren schwer betroffen, so dass er trotz des hochsommerlichen Wetters auf kurze Kleidung und Schwimmbadbesuche verzichtete. Der Mann fühlte sich durch seine Erkrankung sehr beeinträchtigt und seine Lebensqualität war weiterhin stark eingeschränkt.

Baseline

Baseline

 

Ixekizumab bringt den Durchbruch

Im Juli 2016 wurde dem Patienten erneut angeboten, auf ein anderes Biologikum umzustellen, dieses Mal auf den IL-17A-Inhibitor Ixekizumab. Aufgrund des Leidensdrucks stimmte er zu. Nach einer Initialdosis von 160 mg (2x 80 mg) erhielt er die Standarddosis von zweiwöchentlich jeweils 80 mg. Beim ersten Kontrolltermin nach zwei Wochen zeigte sich der Patient – so Richter – „überglücklich, da er fast erscheinungsfrei war.“ Bereits eine Woche nach Therapiestart hatte der Computerfachmann eine deutliche Besserung festgestellt, welche sich kontinuierlich fortsetzte. Unerwünschte Wirkungen traten bei ihm nicht auf. Die Abheilung der Hautläsionen führte zu einem unmittelbaren Zugewinn an Lebensqualität und Lebensfreude bei dem Patienten, so Richter: „Eine seiner Aussagen war: ‚So gut habe ich schon seit 20 Jahren nicht mehr ausgesehen!‘“ Dies hatte schon bald auch einen positiven Einfluss auf den Alltag des Patienten. So besuchte er erstmals seit Langem wieder ein Freibad. Dieses und ähnliche Erlebnisse trugen zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei. Dazu Richter: „Kannte ich ihn früher als einen eher mürrischen, introvertierten Mann, kam er dieses Mal fröhlich und aufrechten Ganges in meine Ambulanz.“ Die dreimonatige Initialphase wurde im Oktober 2016 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt lag der PASI bei einem Wert von 0,4. Seither erhält der Patient gemäß der Zulassung nur noch vierwöchentlich eine Injektion mit 80 mg Ixekizumab; seine Erkrankung ist weiterhin gut kontrolliert.

Nach drei Monaten Behandlung

Nach drei Monaten Behandlung

 

Fazit für die Praxis

„Zusammenfassend kann man sagen, dass Taltz® bei unserem ersten Patienten eine sehr rasche Wirkung und bis dato keine Nebenwirkungen zeigte“, so Richter. „Die Lebensqualität des Patienten wurde im Vergleich zum Zustand vorher deutlich verbessert. Er gibt nun an, durch seine Erkrankung in keinerlei Weise mehr eingeschränkt zu sein.“

 

Referenzen

1 Blome C, et al. Arch Dermatol Res 2011; 303: 11-17
2 Augustin Met al. Dermatol Res 2009; 301: 561-571
3 Bundy C et al. Br J Dermatol 2014; 171: 825-831
4 Langenbruch A et al. Arch Dermatol Res 2016; 308: 401-408
5 Griffiths CEM et al. Lancet 2015; 386 (9993): 541-551
6 Viswanathan HN et al. J Derm Treat 2015; 26(3): 235-239
7 Kim J, Krueger JG. Dermatol Clin 2015; 33: 13-23
8 Di Cesare A et al. J Invest Dermatol 2009; 129: 1339-1350
9 Taltz® Fachinformation. Stand Oktober 2016
10 Leonardi C et al [Poster]. AAD, Washington, 04.-08. März 2016; Poster 3100
11 Gordon KB et al. New Engl J Med 2016; 375: 345-356

 

Kurzfachinformation

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8. der Fachinformation. 1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS Taltz 80 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze (in einem Fertigpen). 2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG Jede Fertigspritze (jeder Fertigpen) enthält 80 mg Ixekizumab in 1 ml Lösung. Ixekizumab ist ein rekombinanter, humanisierter, in CHO-Zellen produzierter monoklonaler Antikörper. Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1. 4.1 Anwendungsgebiete Taltz ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen. 4.3 Gegenanzeigen Schwerwiegende Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Klinisch relevante aktive Infektionen (z. B. aktive Tuberkulose, siehe Abschnitt 4.4). Pharmakotherapeutische Gruppe: Immunsuppressiva, Interleukin-Inhibitoren, ATC-Code: L04AC13. 6.1 Liste der sonstigen Bestandteile Natriumcitrat, Zitronensäure (wasserfrei), Natriumchlorid, Polysorbat 80, Wasser für Injektionszwecke 7. INHABER DER ZULASSUNG Eli Lilly Nederland B.V., Papendorpseweg 83, 3528 BJ Utrecht, Niederlande. NR, Apothekenpflichtig. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand: April 2016