Dermatology News Volume 13 - Issue 5, March 2018

IL-17A-Inhibitor bei Plaque-Psoriasis Back

Ixekizumab überzeugt auch bei Biologika-vorbehandelten Patienten

Beim diesjährigen „Psoriasis From Gene To Clinic“-Kongress in London wurden neue Studiendaten zum Interleukin(IL)-17A-Inhibitor Ixekizumab (Taltz®) von Lilly zur Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis vorgestellt. Außerdem wurden erste Daten zur Wirksamkeit von Ixekizumab bei Patienten, die unzureichend auf Secukinumab (Cosentyx®) ansprachen oder das Biologikum aufgrund von Nebenwirkungen oder aus anderen Gründen absetzen mussten, präsentiert.

Derzeit sind in Österreich schätzungsweise 250.000 Menschen von Plaque-Psoriasis betroffen.1 Durch die Entwicklung von IL-17A-Inhibitoren hat sich das Therapiespektrum bei Plaque-Psoriasis erweitert2,3, besonders im Hinblick auf eine langfristig starke Wirksamkeit bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Denn durch den Einsatz dieser Biologika kann einem wesentlichen Teil der Patienten zu einer nahezu (PASI 90) oder vollständig erscheinungsfreien Haut (PASI 100) verholfen werden.2,3 Mit zunehmender Verbesserung des Hautbilds steigt auch die Lebensqualität4 – ein für die Patienten wichtiges Therapieergebnis.5

Stark wirksam – auch bei Biologika-Vorbehandelten
Ixekizumab (Handelsname Taltz®) ist ein selektiver IL-17A-Inhibitor, der zielgerichtet an IL-17A bindet und dadurch den Signalweg hemmt, der für das Entzündungsgeschehen bei Psoriasis mitverantwortlich ist.2,6 Mit Taltz® lassen sich die Symptome der Plaque-Psoriasis auch bei Patienten lindern, die nicht auf eine vorangegangene Biologika-Therapie angesprochen oder einen Wirkverlust erlitten haben.7 Dies zeigt eine Auswertung der Daten aus dem klinischen Studienprogramm UNCOVER: Nach 12 Wochen erreichten 92 % der Patienten, die zuvor bereits Biologika erhalten hatten, ein PASI 75-Ansprechen. In der Vergleichsgruppe der Biologika-Naiven waren es 88 %, die einen PASI 75 erreichten.
76 % der Biologika-Vorbehandelten erreichten eine fast erscheinungsfreie Haut (PASI 90) und 47 % erzielten nach 12 Wochen sogar eine gänzlich erscheinungsfreie Haut (PASI 100). Jeweils 68 % der Patienten, bzw. 37 % der Biologika-naiven, erreichten einen PASI 90 bzw. einen PASI 100 (Abb. 1).7

Erste Hinweise zur Wirksamkeit von Ixekizumab bei Vortherapie in gleicher Wirkstoffklasse
Aus der Plaque-Psoriasis-Therapie mit TNF-Inhibitoren ist bereits bekannt, dass es zu primären oder sekundären Wirkverlusten und somit zu teils niedrigen Drug-Survival-Raten* kommen kann.7 Dadurch ist ein Therapiewechsel innerhalb der Klasse gängige Praxis geworden und durch die zahlreichen Fälle gut dokumentiert. Die Daten zeigten jedoch auch, dass die Ansprechraten beim Wechsel abnahmen. Für die Klasse der IL-17A-Inhibition ist noch wenig zur Effektivität und Sicherheit bei einem Wechsel bekannt. Auch aktuell in London präsentierte Daten unterstützen die starke Wirksamkeit von Ixekizumab nach Vortherapie in der gleichen Wirkstoffklasse.8 In dieser sehr kleinen untersuchten Gruppe mit 17 Patienten erzielten im Schnitt 88 % der Patienten, die zuvor nicht auf Secukinumab ansprachen, nach 12 Wochen Therapie unter Ixekizumab mindestens eine PASI 75-Reduktion. Auch Patienten, die ein halbes Jahr oder länger auf Secukinumab eingestellt waren, profitierten von einer Therapie mit Ixekizumab. Jedoch lassen die Ergebnisse nur erste Hinweise zu, da diese Effekte über eine größere Patientengruppe untersucht werden müssten, so die Autoren der Untersuchung.

Fazit für die Praxis
Ein sekundäres Versagen auf ein Medikament bedeutet demnach nicht, dass ein anderes Medikament aus der gleichen Klasse nicht mehr wirkt. Für die Praxis ist diese Information sehr wertvoll, wie auch der folgende Patientenfall von OA Dr. Leo Richter, Wien, zeigt.

 

Interview mit Dr. Skvara

OA Priv. Doz. Dr. Hans Skvara

OA Priv. Doz. Dr. Hans Skvara

Herr Dr. Skvara, würden Sie uns Ihre Eindrücke des Kongresses „Psoriasis – From Gene To Clinic“ mitteilen und folgende Fragen beantworten?

a. Was waren aus Ihrer Sicht spannende Daten und Präsentationen beim dies­jährigen Gene to Clinic-Kongress, die Sie beeindruckt haben?
Es wurden einige interessante Daten auf dem Kongress vorgestellt. Beeindruckt hat mich, dass mit Interleukin-36 ein weiteres äußerst wichtiges Zytokin entdeckt wurde, das vor allem bei der pustulösen Psoriasis eine enorme Rolle spielt. Das bedeutet auch, dass IL-36-Inhibitoren potentiell eine neue Therapie für diese Form der Psoriasis darstellen können. Weiterhin gab es ein Poster zum Therapiewechsel innerhalb der IL-17A-Inhibitoren bei Non-Respondern unter Secukinumab.

b. Bitte kommentieren Sie dieses Poster kurz.
Wir wissen, dass bei der TNF-Inhibitor-The­rapie bei Plaque-Psoriasis zum Teil durch niedrige Drug-Survival-Raten primäre oder sekundäre Wirkverluste entstehen können. Durch einen Therapiewechsel innerhalb der Klasse der TNF-Inhibitoren ist die Chance vorhanden, dennoch ein Ansprechen zu erreichen. Patienten, die von Therapiebeginn an nicht auf den ersten TNF-Inhibitor ansprechen (primary non-responder) haben allerdings deutlich geringere Chancen auf einen Behandlungserfolg mit einem anderen TNF-Inhibitor. Das Poster zeigte in diesem Aspekt einen Unterschied zwischen den TNF-Inhibitoren und den IL-17A-Inhibitoren, wobei es sich hier um eine sehr kleine Gruppe mit 17 Patienten handelte. Patienten, die gar nicht auf Secukinumab ansprachen, zeigten dennoch eine gute Hautverbesserung unter Ixekizumab. Auch Patienten, die einen sekundären Wirkverlust unter Secukinumab hatten und zu Ixekizumab wechselten, erreichten im gleichen Rahmen wie Biologika-naive Patienten einen PASI 75.

c. Decken diese Daten sich auch mit Ihren eigenen Praxiserfahrungen?
Die Patienten, die ich mit einem Wechsel betreut habe, erreichten unter Ixekizumab eine starke und anhaltende Verbesserung.

 

Kasuistik Plaque-Psoriasis: OA Dr. Leo Richter, Wien

OA Dr. Leo Richter, Wien

OA Dr. Leo Richter, Wien

„Endlich wieder erscheinungsfrei“: erfolgreiche Behandlung mit Taltz® nach zahlreichen gescheiterten Therapieversuchen

Patientengeschichte und bisherige Therapie
Der Patient ist ein 30-jähriger Sachbearbeiter, den OA Dr. Leo Richter in der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien seit 2014 behandelt. Der junge Mann wurde im Oktober 2016 auf den IL-17A-Inhibitor Ixekizumab eingestellt, nachdem er zuvor mit vier verschiedenen Biologika und anderen Therapeutika behandelt wurde. Alle diese vorherigen Therapieversuche waren gescheitert: Da der Mann bereits seit dem Jugendalter von der Plaque-Psoriasis betroffen war, zeigte er sich bei seiner Erstvorstellung im Jahr 2014 sehr introvertiert und schüchtern, ohne jegliches Selbstvertrauen. Sein PASI-Wert lag damals bei 18,2. Neben einer Kopfhaut- und Nagelbeteiligung litt er auch an einem leichten Genitalbefall. Als Sachbearbeiter hatte er keinen Kundenkontakt und mied aus Scham auch im privaten Umfeld menschliche Kontakte, insbesondere im Hinblick auf Frauen. Seine Resignation, bedingt durch die bisher ausgebliebenen Therapieerfolge, merkte man ihm deutlich an.

Wiederholter Wirkverlust unter diversen Biologika
Nach seiner Erstvorstellung in der Ambulanz wurde der Patient 2014 auf den IL-17A-Inhibitor Secukinumab eingestellt. Zunächst zeigte sich eine sehr gute Wirksamkeit bis hin zu einem praktisch erscheinungsfreien Hautbild, nach zwei Jahren Therapie trat jedoch plötzlich ein Wirkverlust auf. Daher stellte Dr. Richter den Mann im April 2016 auf Adalimumab um. Innerhalb der ersten vier Wochen zeigte sich eine PASI-Verbesserung, die jedoch nicht anhielt. Trotz einer Dosiseskalation mit einer Intervallverkürzung auf eine einmal wöchentliche Gabe hatte der Patient im Juli einen PASI-Wert von 21,2. Die starken Hautläsionen machten ihm aufgrund der sommerlichen Temperaturen besonders zu schaffen, denn er schämte sich sehr, in der Öffentlichkeit kurze Kleidung zu tragen. Daher schlug Dr. Richter dem Mann einen erneuten Wechsel der Therapie vor, diesmal auf den IL-12/23-Inhibitor Ustekinumab. Sein Zustand verbesserte sich zunächst, doch dann trat eine sukzessive Verschlechterung ein. Da der PASI trotz der Höchstdosis von 90 mg Ustekinumab bei 10,4 lag, könnte die anfängliche Verbesserung auch auf die Jahreszeit und den Sommerurlaub des Patienten zurückzuführen sein. Die Höhen und Tiefen der zahlreichen, langfristig erfolglosen Therapieversuche setzten dem jungen Mann sehr zu. Er hatte die Hoffnung auf eine wirksame Behandlung aufgegeben und begann, sich mit seiner Situation abzufinden. Seine Lebensqualität war stark eingeschränkt.

Ixekizumab gibt dem Patienten neue Hoffnung
Im Oktober 2016 empfahl Dr. Richter dem Patienten die Umstellung auf einen anderen IL-17A-Inhibitor, diesmal auf Ixekizumab. Nach vier gescheiterten Therapieversuchen mit unterschiedlichen Biologika stimmte der junge Mann dem Vorschlag zu. Beginnend mit einer Initialdosis von 160 mg (2 x 80 mg) erhielt er für die Induktionsphase bis Woche 12 die Standarddosis von zweiwöchentlich jeweils 80 mg Ixekizumab. Beim ersten Kontrolltermin nach drei Wochen war laut Dr. Richter bereits eine 75-prozentige Verbesserung des Hautbildes zu beobachten. Nach sechs Wochen hatte der Sachbearbeiter sogar einen PASI-Wert von 0 erreicht, also eine PASI 100-Reduktion. „Der junge Mann hat schon viel durchgemacht. Er tut sich eher schwer mit Emotionen und ist aufgrund der vielen Aufs und Abs in den vergangenen Jahren noch etwas zurückhaltend, was seine Freude über den Therapieerfolg angeht“, erklärt Dr. Richter. „Abgesehen davon ist es neben seiner Psoriasis ja auch die Adipositas, die ihn im Umgang mit anderen Menschen hemmt. Es handelt sich so gesehen um eine Kombination von Schwierigkeiten, die sich allesamt auf unterschiedliche Lebensbereiche auswirken, besonders aber soziale Kontakte einschränken.“ Dennoch trete er selbstbewusster auf und man könne ihm deutlich anmerken, dass er sehr glücklich darüber sei, endlich wieder erscheinungsfrei zu sein. Seit dem Abschluss der dreimonatigen Induktionsphase verabreicht sich der Patient das Biologikum mittels einer Fertigspritze in der Erhaltungsphase nur noch in Abständen von jeweils vier Wochen selbst. Seinen PASI-Wert von 0 hat er bis jetzt ohne jegliche Nebenwirkungen gehalten.

Fazit für die Praxis
„Aufgrund der Vorgeschichte ist es verständlich, dass der Patient noch vorsichtig optimistisch ist“, so Dr. Richter. „Dennoch ist er extrem glücklich darüber, endlich wieder erscheinungsfrei zu sein und sich durch die Therapie in keinster Weise beeinträchtigt zu fühlen.“ Er ergänzt: „All die ungünstigen Voraussetzungen, der Schweregrad der Erkrankung – der Zustand des Patienten verschlimmerte sich relativ rasch auf einen PASI über 20, sobald ein Wirkverlust einer Therapie auftrat – die multiplen Vortherapien und die leichte Adipositas – all diese ungünstigen Voraussetzungen haben der Effizienz von Taltz® keinen Abbruch getan. Für mich sind IL-17A-Inhibitoren die Mittel der ersten Wahl. Ixekizumab zeigt in der Firstline-Therapie ebenso überzeugende Effekte wie bei Patienten, die bereits mit anderen Biologika vorbehandelt sind – auch bei denjenigen, die den IL-17A-Inhibitor Secukinumab erhalten haben.“

 

Ixekizumab bei aktiver Psoriasis-Arthritis

Am 18. Januar 2018 erhielt Ixekizumab (Handelsname Taltz®) die EU-Zulassung für die Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Der Interleukin(IL)-17A-Inhibitor kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) bei Patienten eingesetzt werden, die auf eine oder mehrere DMARD**-Therapien nicht ausreichend angesprochen oder eine Unverträglichkeit haben.2 Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studien SPIRIT-P1 und SPIRIT-P2 an erwachsenen Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis. Eingeschlossen waren sowohl DMARD-vorbehandelte als auch DMARD-naive Patienten.9,10 Ixekizumab war in diesen Studien stark und schnell wirksam, sowohl im Hinblick auf Gelenkbeschwerden als auch auf Hautsymptome – bei guter Verträglichkeit.2 Bereits innerhalb der ersten zwölf Wochen zeigte der IL-17A-Inhibitor eine signifikante Verbesserung der Gelenkbeschwerden2 und bisher publizierte Daten über zwei Jahre belegen auch eine langanhaltende Wirksamkeit.11 Das ACR-Ansprechen war unabhängig von einer vorherigen TNF-Inhibitor-Therapie und sowohl in Monotherapie als auch mit cDMARD-Begleittherapie zu beobachten.9,10

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* Drug Survival, die Zeit von Behandlungsbeginn bis zum Abbruch der Behandlung, ist eine Maßnahme zur Bewertung der Langzeitwirksamkeit und Langlebigkeit von Biologika unter realen Bedingungen.
** disease-modifying antirheumatic drugs

 

Literatur

1 https://www.gesundheit.gv.at, Stand 29.01.2018
 2 Taltz® Fachinformation. Stand Januar 2018
 3 Cosentyx® Fachinformation. Stand März 2017
 4 Griffiths CEM et al. Lancet 2015; 386(9993): 541-551
 5 World Health Organization. Global report on Psoriasis 2016; online publiziert unter: http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/204417/1/9789241565189_eng.pdf
 6 Liu L et al. J Inflamm Res 2016; 9: 39-50
 7 Gottlieb AB et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; 31(4): 679-685
 8 Georgakopoulos JR et al. J Am Acad Dermatol 2018; doi10.1016/j.jaad.2018.01.003 [Epub ahead of print]
 9 Mease PJ et al. Ann Rheum Dis 2017; 76(1): 79-87
10 Nash P et al. Lancet 2017; 389(10086): 2317-2327
11 Helliwell PS et al [Poster]. ACR/ARHP, San Diego/USA, 03. – 08. November 2017; Poster 624

 

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